SYNCHRONIZING bio picture
  • Herzlich Willkommen in meinem Blog!

    Liebe Freunde des SYNCHRONIZING®-Kugelmodells,
    ich möchte mit diesem Forum eine Plattform schaffen, auf der Ihr das „alte“ Wissen über Synchronizing in kurzen Abständen auffrischen könnt. Ich wünsche mir, dass Ihr den Blog zum Meinungsaustausch nutzt.
    Euer Markus

    Liebe Leserinnen und Leser, die Sie mit der neuartigen Psychodynamik bisher noch nicht in Berührung gekommen sind!
    Als „Neulinge“ auf diesem Gebiet möchte ich Sie neugierig machen, sich einmal die vielen Einsatzmöglichkeiten des Synchronizing-Modells anzusehen und sich dadurch langsam in die Struktur der Psychodynamik einzulesen*. Ich freue mich auch auf Ihre Fragen und Kommentare zu den unterschiedlichen Themen.
    Viel Spaß bei der Lektüre wünscht
    Markus Jensch

    * Einen groben Überblick über das SYNCHRONIZING®-Konzept erhalten Sie auf der Homepage www.synchronizing.de

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Hello world!

Zwölf These zum SYNCHRONIZING®-Beziehungs-Modell

von Markus Jensch price of viagra in australia

Mir ist vor einigen Tagen ein „altes“ Papier begegnet, in dem ich einige Thesen zur Charakterentwicklung und zum Umgang von Beziehungs-Partnern in Beruf, Partnerschaft und Erziehung zusammengestellt habe. Dieses „vergessene“ Papier möchte ich hier im Blog vorstellen. Darin stecken keine neuen Erkenntnisse, sondern nur einige Prinzipien, die dem SYNCHRONIZING®-Modell zugrunde liegen und die für Ratsuchende im Vorfeld eines Coachings interessant sein könnten. viagra medicina online levitra

1. Im ersten Lebensjahr findet die Prägung des Ur-Vertrauens und des Ur-Misstrauens statt. Zu enge Bindung oder Vernachlässigung hinterlässt tiefe Spuren wie Verwöhnung, klebrige Anhänglichkeit, Rückzug oder Sucht.

2. Im zweiten Lebensjahr folgen die prägenden Einflüsse in Richtung Selbständigkeit oder Unselbständigkeit. Eigenschaften wie Anbiederung und Aufopferung oder Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit werden vor-geprägt: lieb und brav oder egoistisch und fordernd…

3. Im dritten Lebensjahr folgt die Weichenstellung in Richtung Rücksichtnahme, Harmlosigkeit, Altruismus oder in Richtung Rücksichtslosigkeit, Aggressivität, Egoismus: Anzustreben ist eine gute Balance zwischen beiden Polen.

4. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte mussten die Menschen immer wieder mit Bedrohungen leben. Die z.T. Jahrtausende alten Erlebnisse haben sich genetisch tief eingeprägt und leben in unserem „kollektiven Unbewussten“ fort: So finden wir bei allen Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägte Ängste vor Einsamkeit, Abhängigkeit und Unterlegenheit.

5. Zur Abwehr dieser Ängste hat uns die Natur mit „Sicherungs-Genen“ ausgestattet. Wir streben nach Geborgenheit, nach Selbständigkeit und nach Überlegenheit. will half 100mg viagra work

6. Aufgabe der Erziehung ist es, dem Kleinkind Zurückhaltung, Kooperation und die Fähigkeit zum Nachgeben beizubringen – ohne jedoch die natürlichen Strebungen (siehe 5.) zu vernachlässigen.

7. Das SYNCHRONIZING®-Kugel-Modell zeigt 8 Verhaltens-Segmente (ich nenne sie auch „Spielfelder“), die alle Individuen oder Teams in unterschiedlichem Ausmaß beherrschen sollten. Die Mixtur der Eigenschaften – das Profil – wird bestimmt durch die jeweilige Rolle. Wer unzufrieden ist mit seiner Rolle, der sollte an seinem Profil arbeiten, damit er erfolgreich die Rolle ändern kann.

8. Wir haben nicht nur eine Rolle und ein Profil, sondern unterschiedliche Rollen – z.B. in Familie, Partnerschaft, Beruf – mit jeweils unterschiedlichen Profilen.

9. Komplementäre Profile passen wie ein Schlüssel-Schloss-System zusammen. Sie ziehen sich (in „Grün“) stark an oder stoßen sich (in „Rot“) extrem stark ab („Rosenkrieg“).

10. Komplementäre Charaktere wirken aufeinander wie Magnete. Es entwickeln sich besondere – sog. „psychomagnetische“ – Kräfte. Kommt es zwischen solchen Charakteren zu Konflikten, dann drehen sich die Magnete nicht selten so, dass sie in einem Abstoßungs-Verhältnis stehen. Konflikt-Management bedeutet, dass beide Magnete (Charaktere) sich wieder in die Anziehungs-Richtung drehen. Gelingt das, kann wieder eine positive Beziehung zueinander gefunden werden. Die „alte“ Ausgangs-Situation wird in der Regel nicht wieder hergestellt. Die neue Beziehung findet auf einer gereiften Ebene (Synthese) statt.

11. Viele „schwierige Situationen“ entstehen dadurch, dass unbewusste Projektionen stattfinden. Wer seine Projektions-Mechanismen nicht kennt, läuft Gefahr, immer wieder die gleichen Beziehungsfehler zu provozieren – ohne dass er das durchblickt. Ein gezieltes Coaching macht die eigenen Projektionsmuster deutlich und damit anders wirksam.

12. Die kontinuierliche Verbesserung durch Selbstreflexion (KVP, „Kaizen“) führt zur stetigen Reifung und zu kontinuierlichem Wachstum. Alte Verletzbarkeiten und Dünnhäutigkeiten können leichter in den Hintergrund treten. Die Zufriedenheit mit sich selbst wächst – und damit die sog. „soziale Kompetenz“.

Wenn Sie sich für ein Einzel-Coaching, ein Paar-Coaching oder für ein Team-Coaching interessieren, nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf. Sie können sich einen weiter gehenden Überblick verschaffen, wenn Sie die Web-Seiten

www.synchronizing.de, www.synchronizing-mainz.de und www.synchronizing.ch  aufsuchen.

Die nächste Ausbildung zum  Coach SYNCHRONIZING® findet in Mainz statt. Einzelheiten dazu finden Sie auf der HP synchronizing-mainz.de

Neurose ist: wenn aus einem Versteck ein Bollwerk wird

– Individualpsychologische Variationen des Unbewussten –  generic viagra mexico order viagra online us

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von Markus Jensch

Ich habe schon öfter in diesem Blog über das Unbewusste geschrieben. Immer wieder stelle ich fest, dass sich die Nachfahren Alfred ADLERs etwas schwer damit tun, „das Unbewusste“ klar zu beschreiben. Alfred ADLER – unser Ziehvater – hat es sich selbst auch nicht leicht damit gemacht: vielleicht weil er sich nicht in jeder Hinsicht klar von FREUD abgegrenzt hat. Er sprach mal vom Unbewussten, mal vom Unerkannten und später auch von der „tendenziösen Apperzeption“.

Da sich die Nachfahren ADLERs bezüglich dieser Fragestellung  (gibt es ein Unbewusstes in der ADLERschen Psychologie?) nie ganz einig waren (und bis heute nicht sind), bleibt uns die Unklarheit leider erhalten. Ich habe in diesem Blog mehrfach versucht, die Unterschiede zwischen der FREUDschen  und der ADLERschen Auffassung zu diesem Themenkomplex herauszuarbeiten (vergleiche: Nov. 2013, April 2013, Sept. 2011, Juni 2011).

Seit vielen Jahren arbeite ich weniger als Psychotherapeut, denn als individualpsychologischer Coach. Ich möchte damit der Erwartung meiner Klienten gerecht werden, eine möglichst tief gehende und dennoch nicht zeitraubende Methode zur Lösung ihrer Probleme zur Verfügung zu stellen. Ich habe neben der tiefenpsychologisch fundierten und der analytischen Psychotherapie bereits seit 1977 eine Kurzform des tiefenpsychologisch fundierten Coachings angeboten (ich nannte sie „fokale Lebensstilanalyse“) und diese Methode beständig weiterentwickelt. Sie wurde in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen nach harten Kriterien evaluiert (vom TÜV Hannover und von der Bundesanstalt für Straßenwesen). In der Anwendung dieser Methode wurden von mir und meinen KollegInnen mehrere hundert PsychologInnen und IP-BeraterInnen ausgebildet. Seit dem Jahr 1995 habe ich die Methode um das psychodynamische Strukturmodell SYNCHRONIZING® erweitert.

Nun möchte ich zum Thema: „das Unbewusste in der Individualpsychologie“ zurückkommen: Wenn ich von individualpsychologischem Coaching spreche, bewege ich mich dort selbstverständlich auch im Bereich des Unbewussten – auch wenn diese Methode nur zwischen fünf und zwanzig Stunden Zeit beansprucht. Jeder gebildete Laie hat eine grobe Vorstellung davon, was es heißt, „unbewusste“ Inhalte in einer psychoanalytischen Psychotherapie „aufzudecken“. Nach FREUD ist das Unbewusste ein wichtiger „Teil“ des seelischen Apparates – so nannte er die drei konkurrierenden psychischen Instanzen (ES – ICH – ÜBER-ICH). In das Unbewusste – das überwiegend in der Instanz „ES“ angesiedelt ist – werden mittels sog. Abwehrmechanismen unangenehme, peinliche und bedrohliche Inhalte des Seelischen verschoben. Die „Verdrängung“ spielt dabei die wichtigste Rolle. Ins Visier der Verdrängung geraten vor allem sexuelle Phantasien, die in den Bereich des „Peinlichen“ gehören sowie Perversionen aller Art, Mordphantasien usw. Alles was unberechenbar, angsteinflößend, peinlich, schmierig, schleimig und abartig ist, kann auf diese Weise in ein Geheimarchiv des Seelischen ausgelagert werden. Unangenehm nur, dass ES sich von dort aus immer mal wieder hervor wagt (z.B. in Träumen) und dann wieder „nachverdrängt“ werden muss. Diese z.T. offene Trennlinie zwischen dem überwiegend unbewussten ES und dem ICH macht sich die Psychoanalyse nach FREUD zunutze, indem sie  via Traumdeutung und freier Assoziation die Zipfel der verdrängten Inhalte hervor holt, klar benennt und „durcharbeitet“ – mithin bewusst macht. cialis 5 mg cost

Aus Sicht des Laien ist nachvollziehbar, dass man für das Aufarbeiten der verdrängten Peinlichkeiten im Rahmen einer Psychoanalyse sehr viele Sitzungen benötigt. Und dass eigentlich nur deren Bewältigung mit dem Etikett „tiefenpsychologisches Arbeiten“ zu versehen sei.

ADLERs Ansatz ist ein völlig anderer als der FREUDs. „Unbewusst“ ist, was nicht in den „privat-logischen“ Lebensentwurf eines Menschen hinein passt. Legt sich ein Mensch einen Lebensstil zu, in dem „Glanz und Gloria“ auf der Eingangstür des Lebenshauses geschrieben steht, dann passen Aspekte der Armut, „Schmuddeligkeit“ oder erlittenen Drittklassigkeit dort nicht hinein. Dementsprechend werden solche Aspekte ausgeblendet oder gar versteckt. Die Selbstdarstellung wird in einem überarbeiteten Drehbuch (Script) gewissermaßen bereinigt. Störende Elemente werden vertuscht oder umetikettiert. Der Träger dieses Denk- und Verhaltens-Stils wird sein Ego – wo es geht – aufwerten, polieren und schönfärben. Wir können dies vergleichen mit dem Verfassen eines „perfekten“ Lebenslaufes: nicht bestandene Prüfungen, Zeiten der Untätigkeit, kurze Arbeitsverhältnisse und so weiter werden „geglättet“ und „schön-geschummelt“. In dieser Analogie sind die Schummeleien selbst zwar bewusst: was aber nicht bewusst ist, ist die sprachliche Begleitmelodie, die dem Verfasser nicht auffällt – jedoch dem Adressaten: Das Gesamtpaket kommt als „nicht authentisch“ rüber. So passen auch bei einer Lüge oft Mimik und Inhalt des Gesprochenen nicht zusammen. Man sieht’s ihm an der Nasenspitze an… – sagt der Volksmund.

Handelt es sich bei der FREUDschen Verdrängung um einen Kampf der seelischen Instanzen untereinander, steht das Unbewusste bei ADLER in Form mehr oder weniger „geschickter“ Unterlassungen oder Manipulationen im Dienste der gesamten Persönlichkeit. Im Gegensatz zu FREUD dient der  kreative Akt der „Aufwertung“ der Sicherung nach außen hin. Nicht innerpsychische Prozesse  (wie bei FREUD)  spielen die wichtigste Rolle, sondern das Bild des Selbst im Spiegel der umgebenden Gesellschaft. Beide Formen des Unbewusst-Machens  dienen der Rettung des Selbstwertgefühls vor einer Abwertung. Bei FREUD greift die Not-Verdrängung im Auftrag des Über-Ichs zugunsten des Ichs ein – bei ADLER wird das Unpassende versteckt (oder zum Unwichtigen erklärt), um den Lebensstil glaubwürdig darstellbar zu machen. Bei ADLER handelt es sich um Ungereimtheiten, die es im Sinne einer Korrektur zu vertuschen gilt, bei FREUD werden ganze Leichen im Keller eingemauert.

In der individualpsychologischen Arbeit am Unbewussten geht es darum, die korrigierten Ungereimtheiten wieder sichtbar zu machen. Der Lebensstil hatte sich nämlich mit seinem Träger im Lauf des Lebens so arrangiert, als ob das Versteck bzw. die Verschleierung immer noch benötigt würde. Mit dem Coach macht sich der Klient auf die Entdeckungsreise, die Ungereimtheiten, Widersprüche, Verschleierungen und Fassaden aufzufinden. Das gemeinsame Scannen mit projektiven Methoden führt zu den „Verstecken“. Das Geglättete ist als das Unbewusst-Gemachte zu verstehen. Das können natürlich auch Peinlichkeiten aller Art sein – aber überwiegend handelt es sich um unpassende, unschickliche, unangenehme Hinterlassenschaften der Lebensumstände im aktuell „präsentierten“ Lebensstil. cialis online

In der alten FREUDschen Analyse suchen Therapeut und Analysand nach den Folterwerkzeugen, den Peitschen und Handschellen sowie den peinlichen Sexspielzeugen, die die anständige Dame oder der anständige Herr weggesperrt hat. Bei FREUD stehen immer (definitionsgemäß) polymorph perverse Phantasien und ödipale Mordgelüste auf der Suchliste – auch wenn solcherlei nicht wirklich verdrängt wurde. Wer sich als Patient dennoch nicht auf die Suche einlässt, leistet Widerstand: Die Therapie dauert dann umso länger (dies gilt für die „reine“ Lehre der alten FREUDschen Schule).

Bei der IP-Analyse wird das unechte, selbstüberhöhte Ich auf den Boden der Tatsachen geholt. Längst vergessene Verstecke werden wieder entdeckt und im Lebensplan werden Widersprüche herausgefiltert, deren Aufdeckung schon lange „fällig“ waren. Beim Entdecken von Ungereimtheiten fallen immer wieder ähnliche oder gleiche Verhaltensmuster auf, die vom Klienten als „ungeeignet“ erlebt und deshalb versteckt wurden. Das kann eine abgebrochene Schulbildung oder eine „defekte“ Familiensituation sein: Die Lüge über der Wirklichkeit bereitet irgendwann selber Probleme und führt dann zu den chronifizierten „Lebenslügen“ (ADLER), die in keiner Relation mehr zum ehemals versteckten Lügenanlass stehen. buy viagra generic

Beide Methoden, Unbewusstes zu entdecken, sollen zur authentischen, ungeschminkten Persönlichkeit führen. Die individualpsychologische Herangehensweise ist viel offener und breiter. Sie hat den Vorteil, dass sie nicht auf das angstmachende Aufdecken von Perversionen ausgerichtet ist. Die Schachtel kann – ganz unsymbolisch – Schachtel bleiben und dem Bleistift bleibt die Umdeutung zum Penis erspart. Allein aus diesem Grunde reichen manchmal schon wenige Coaching-Sitzungen, um einen „gekünstelten“ Lebensstil aus seinem Dornröschen-Dasein befreien zu können. Und sind die Verstecke erst einmal entdeckt und benannt, können deren Inhalte meist problemlos in das aktuelle Script der Persönlichkeit eingebaut werden. Wenn das Versteck aber zum hartnäckig verteidigten Bollwerk ausgebaut ist, dann sind wenige Stunden individualpsychologischen Coachings in der Regel nicht ausreichend, um die Festung einzunehmen. Gefragt sind dann geduldige „Verhandlungen“ (Psychotherapie), mit denen die perfekt gesicherten Tore zur verunsicherten Persönlichkeit im Vertrauen auf Frieden von innen vorsichtig geöffnet werden.

Aus der individualpsychologischen Sicht heraus überwiegt der Aspekt der Störung als Anlass, den Störfall zu verstecken oder zu vertuschen. Gemäß  psychoanalytischer Sicht ist es immer der Aspekt der Peinlichkeit, der den Anlass zur Verdrängung ins Verlies des Unbewussten liefert. „Neurose“ entsteht – so gesehen – aus dem ödipalen Urkonflikt menschlichen Daseins.

Unbewusstes ist aber in beiden psychologischen Schulen als mehr oder weniger „tief verborgen“ vorstellbar. FREUD verwendete in dem Zusammenhang auch den Begriff des Vorbewussten oder Bewusstseinsfähigen. Bei ADLER gibt es dafür den Begriff des Unerkannten. Vielleicht können wir uns so den Unterschied zwischen einer behandlungsbedürftigen Störung (Versteck) und einer „Neurose“ (Bollwerk) leichter vorstellen. Um das Bollwerk zu „knacken“ bedarf es einer längeren Behandlung mit geduldig angewandten Methoden.

Wenn Sie das tiefenpsychologisch fundierte Coaching kennenlernen wollen, wenden Sie sich an info@markus-jensch.de. Ausbildungen zum Coach SYNCHRONIZING® bieten wir in unseren Instituten Köln (Zentrale), Mainz und Winterthur an:

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Stress aus Angst – eine individualpsychologische Betrachtung des Stressphänomens

von Markus Jensch

 Diesen Beitrag habe ich in der Zeitschrift „Lichtblick“ des Vereins für praktizierte Individualpsychologie im März 2016 veröffentlicht. Ich betrachte dabei den angstgefärbten, „neurotischen“, zielorientierten Stress – wie er uns in der praktischen Arbeit in einer individualpsychologischen Beratungspraxis regelmäßig begegnet.

Beim Thema „Stress“ denke ich an die vielen Patienten, die mit ihren Stresssymptomen zu mir kamen und kommen. Genau besehen hatten und haben eigentlich alle Patienten Stress: Die vielen „Trinker“, „Kiffer“, „Raser“, die ich im Rahmen meiner verkehrsbezogenen Arbeit über viele Jahre behandelt habe, die Angstpatienten, Herzpatienten, Migränepatienten, die Studienabbrecher, Depressiven, Zweifler, Ausbieger, Steckenbleiber, Blockierer, Schulversager, Legastheniker, Aggressiven oder auch die wenigen Kriminellen, mit denen ich gearbeitet habe. Aktuell kommen die Burn-out-Patienten hinzu, die – vom Stress zerfressen – ihre Waffen strecken und sich eine Auszeit „nehmen“.

Stress – kausal betrachtet

So lange wir uns auf der kausalen Ebene bewegen, können wir die Patienten als Opfer ihrer Lebensumstände behandeln. Die Anforderungen werden höher, das Arbeitspensum vielfältiger und umfangreicher. Ohne Überstunden schaffen viele nicht mehr das Ergebnis, das von ihnen verlangt wird. Der Druck nimmt zu. Die druckbedingten Deformationen der Persönlichkeit werden zunehmend sichtbar. Stress ist – so gesehen – ein Kompensationsphänomen, das sich eine Zeit lang dazu eignet, die Leistungsreserven zu mobilisieren.

Stress – final betrachtet

Von der – bisher beschriebenen – kausalen Betrachtungsebene ausgehend, ist die Themenstellung des vorliegenden Heftes auf den ersten Blick logisch: Wie können wir Stress vermeiden, um (wieder) in eine lebenswerte Balance zu gelangen? Nun sind wir – die Leser des Lichtblicks und die meisten Leser des Blogs – aber individualpsychologisch ausgerichtet. Von Alfred ADLER, dem genialen Tiefenpsychologen, haben wir die Erkenntnis übernommen, dass es neben der kausalen Ebene, die alle Entwicklungen gemäß dem Ursache-Wirkungs-Gesetz abzuleiten versucht, noch die finale Ebene gibt, in der das Ziel des Handelns eine bedeutsame Rolle spielt. Demgemäß stellen wir „Adlerianer“ nicht nur die Frage: „Stress – woher/warum?“, sondern parallel dazu fragen wir: „Stress WOZU?“ – denn wir wissen, dass Stress auch ein schöpferisches Produkt des Gestressten ist. Stress entsteht bei dem (meist vergeblichen) Versuch, von ganz unten nach ganz oben zu kommen. Er entsteht bei der „Überdehnung“ des Strebens und kann verstanden werden als ein Aggregatzustand, der durch dauerhafte Anstrengung manifest geworden ist. Diesen neurotischen, angstgefärbten Stress möchte ich hier in den Fokus rücken.

Der Kunstgriff der Beratung/Therapie nach ADLER besteht darin, vor allem den Zweck/ das Ziel des „Sich-Stress-Machens“ zu ergründen, dessen Kriegskosten sowie dessen Nutzen (Nachteile und Vorteile) in den Fokus der Ziel-Analyse zu rücken. Bei der Betrachtung des Nutzens eines Symptoms sind wir Adlerianer äußerst unbequeme Helfer. Wer lässt sich schon gerne den Nutzen seines hemmungslosen Trinkens als Thema auftischen. Mit der finalen Betrachtungsweise machen wir nämlich aus dem Opfer auch einen Täter: Als Volltrunkener kann ich meine – sonst mühsam gebremsten – Aggressionen ungebremst ausleben, ohne dafür verantwortlich zu sein. Das ist ein Nutzen der „Sauferei“.

Die Lebenslüge: wenn ich nicht …hätte, wäre ich….

Betrachten wir nun einmal das Stress-Konstrukt mit individualpsychologischen Augen:

Ich nutze dazu gern das Beispiel vom hünenhaften deutschen Zehnkämpfer Jürgen Hingsen. Sein Gegenspieler war über mehrere Jahre der Engländer Daley Thompson – ein gewitzter, selbstsicherer Sportsmann. Bei den olympischen Spielen in Seoul (1988) trafen beide mal wieder aufeinander. Der Zweimeter-Riese Hingsen war in fast allen Einzel-Disziplinen seinem Erzrivalen überlegen. Die Goldmedaille war für Deutschland fest eingeplant. Die beiden schauten sich vor der ersten Disziplin, dem 100Meter-Lauf, intensiv in die Augen. Daley grinste frech seinen unsicheren Rivalen an. Jürgen, der gestresste seelische Zwerg, fabrizierte darauf hin einen Fehlstart – das war ja noch okay. Doch danach geschah das Unfassbare: Hingsen vermasselte auch den zweiten Start und wurde disqualifiziert.

Siegen ohne Prüfung – eine hohe Kunst!

In der Realität hatte er in mehreren direkten Begegnungen niemals seinen Rivalen zuvor besiegt. Seine gestressten „Nerven“ hatten ihm jedes Mal ein Schnippchen geschlagen. Im Herbst 2015 begegneten sich die beiden „Helden“ von einst bei Markus Lanz – zum ersten Mal seit knapp dreißig Jahren. Hingsen war nach wie vor der unsichere „Psycho-Zwerg“, der sein Dilemma noch immer nicht verstanden hatte und der darauf verwies, dass er ja eigentlich der Bessere gewesen war. Und Thompson lachte sich erneut ins Fäustchen. Gönnerhaft überließ er ihm die lächerliche Fiktion, der „eigentliche Sieger“ gewesen zu sein. Was aber war Hingsens Nutzen? Adler bezeichnet solch einen Vorgang als „neurotisches Sicherungsverhalten“ – als „auskneifen“ – auch als „ausbiegen“. Hingsen konnte sich sagen: „Hätte ich einen korrekten Start hingelegt, ich hätte die Goldmedaille geholt. Sein Stress verhinderte die Blamage des Besiegt-Werdens. Das war der fragwürdige Nutzen.

Stress bietet jederzeit die Option, aussteigen zu können und dabei nicht als Gescheiterter oder als Verlierer da zu stehen. Eine „richtige“ Krankheit macht sich natürlich noch besser und dient vielen Examenskandidaten als Retter in der Not der bevorstehenden Abschlussprüfung. Nach Adler ist die Angst des Ichs der Kern der Neurose. Die Angst dient dem Rückzug und der Sicherung vor der Niederlage. Im Grunde ist jeder Stress von dieser Psychodynamik durchzogen.

Ans Kreuz der Überlegenheitsfiktion geschlagen (ADLER)

Bei überängstlichen Menschen wird der Lebensstil immer enger und starrer: In Drucksituationen stecken sie wie Korken im Flaschenhals fest. Adler drückt das sehr drastisch aus: Der Nervöse sei ans Kreuz seiner Überlegenheitsfiktion geschlagen. Indem er – angstgestresst – seiner eigenen Kraft misstraue, laufe er seinen Ohrfeigen hinterher.

Da stellt sich die Frage, ob es sinnträchtig ist, zu empfehlen, den Stress zu vermeiden, denn die Produktion des Stresses folgt ja einem privatlogischen Drehbuch, das der Autor selbst geschrieben hat, dessen Dynamik ihm aber nicht wirklich bewusst ist. Etwas vermeiden wollen, das man lebensstiltypisch nutzt – das macht wenig Sinn!

In meiner jahrzehntelangen Arbeit mit alkohol- und drogengefährdeten Menschen, habe ich in jedem Falle die Angst als Ausgangspunkt der Suchtentwicklung vorgefunden. Im Buch „Angst und Alkohol“ habe ich mit dem Kollegen Rüdiger von Wolmar den Zusammenhang zwischen systematischem Drogen-Missbrauch und der zugrunde liegenden Angst beschrieben. Stress hat immer eine Angstkomponente. Wenn wir die Angst nicht verstehen (in der Beratung demaskieren), können wir dem Stress nicht wirklich beikommen. Denn Stress schützt uns vor der Niederlage und als Dauer-Gestresste beitreiben wir Schattenboxen (Adler), um uns unserer Stärke zu versichern. Eine individualpsychologische Beratung kann dem Angstgestressten helfen, hinter die eigene Fassade zu schauen und sein Drehbuch endlich umzuschreiben.

In unserer Arbeit mit dem Klienten suchen wir vorsichtig, die ANGST zu enttarnen. Indem wir sie erkennen und beschreiben, verliert die „alte“ ANGST ihren Schrecken. Sie verkleinert sich zum DRUCK, den wir bei entsprechender Übung und ermutigendem Training zur KRAFT entfalten können. Alle hier genannten Begriffe haben fünf Buchstaben und können spielerisch als Wort-Folien übereinander gelegt werden. Den ANGST-MACHT-SUCHT-Mechanismus habe ich im Buch „Schlank&stark“* detailliert beschrieben.

Stress – ein Abwehrmechanismus im Dienste des Überlegenheitszieles

Mit der Entzauberung der alten, lähmenden ANGST durch ermutigende Konfrontation können wir auch den Stress demaskieren als das, was er eigentlich ist: eine angstgetriebene Gangart, ein Abwehrmechanismus im Dienste des Überlegenheitszieles.

Als Individualpsychologen schauen wir mit System unter (oder hinter) die Symptome. Wir decken eine Folie nach der anderen auf. Wir erblicken z.B. unter der SUCHT die misslungene MACHT und unter der MACHT die tiefe ANGST.  Auch Stress ist – wie ich gezeigt habe, ein verzweifelter Versuch, das Minderwertigkeitsgefühl zu kaschieren. Wir können den Stress also nicht einfach vermeiden. Das wäre widersinnig. Wir müssen ihn verstehen und zur neuen KRAFT transformieren. Das ist IP-Arbeit, wie ich sie verstehe und praktiziere.

Mit dieser Vorstellung bin ich an die Problematik der Ess-Sucht gegangen und habe den Sinn des ungezügelten Essens psychodynamisch beschrieben. Das Buch „Schlank&stark“ nimmt die oben beschriebene IP-Sicht voll auf.  Ziel ist die Erkenntnis, dass man nicht nachhaltig schlank werden kann, wenn man nicht „stark“ ist.  Stress vermeiden ist gemäß der kausalen Betrachtung ein nachvollziehbares Anliegen. ANGST überwinden oder Stress als Strategie verstehen – kommt meines Erachtens der finalen Betrachtung mehr entgegen. Eine solide Lebensstil-Analyse hilft bei der Aufdeckung und Bearbeitung der ÄNGSTE, die unter den verschiedenen Symptomen liegen. Und Stress ist nur eines von vielen…

*M. Jensch, J. Mottola-Kirchner: Schlank und stark, Herzsprungverlag 2016, bei amazon 13,90€

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